25. Mai 2016

Gastbeitrag: Klasse - Kinder - Spiel

Blog Materialwiese
Ich war in den letzten Tagen viel unterwegs, um zu hospitieren und dadurch nicht Zuhause. Genau in dieser Zeit erhielt ich eine tolle Mail (erst einmal nur auf dem Handy...am PC heute ließ sich die Sache besser schreiben) von einer meiner fast ehemaligen Lehramtsanwärterinnen, in welcher sie mir einen Gastbeitrag zu einem Spiel zusandte, welches ich selbst in ihrem Unterricht erleben durfte. Der folgende Text dazu ist also von ihr, die Bilder habe ich mit Handy damals geknipst und hoffe, dass ihr etwas damit anfangen könnt und das Spiel probiert.

Das Klasse-Kinder-Spiel
Auf der Suche nach einer Methode, die
ohne viel Aufwand und ohne zu tadeln eine Klasse zur Ruhe bringen kann, bin ich vor einigen Monaten im Internet auf das Klasse-Kinder-Spiel gestoßen. In Amerika ist die Methode seit ca. 30 Jahren als „Good Behaviour Game“ bekannt und wurde dort in zahlreichen Studien auf seine Wirksamkeit geprüft. Mittlerweile bieten auch zahlreiche Internetseiten Informationen und Weiterbildungen zu diesem Spiel an. Diese findet man beispielsweise auf: http://www.heilpaedagogische-akademie.de/angebot/klassekinderspiel.html.
Die Ziele des Spiels lassen sich kurz und knapp zusammenfassen. Es soll Unterrichtsstörungen reduzieren und dem Gewinn von Lernzeit dienen. In erster Linie soll es jedoch das Sozialverhalten der Schüler fördern und diese dazu animieren, sich gegenseitig zu unterstützen. Mehrere Studien schreiben dem Spiel zudem eine gewisse Langzeitwirkung zu, nach der das Sozialverhalten der Schüler nachhaltig verbessert wird und sogar als Vorbeugung gegen Kriminalität und Drogenmissbrauch dienen soll. Auf der oben genannten Seite finden sich weitere Informationen zu eben diesen Studien.
All das soll erreicht werden durch ein simples Spiel? Es klingt fast zu schön um wahr zu sein und an den versprochenen Langzeitzielen habe ich so meine Zweifel. Doch da der Aufwand vergleichsweise gering ist, wollte ich es auf einen Versuch ankommen lassen.
Die Vorbereitung und Durchführung des Spiels ist denkbar einfach und erfolgt folgendermaßen. Im ersten Schritt werden mit den Schülern 3 simple Regeln festgelegt. Diese können an die entsprechende Klassensituation angepasst sein. Für meine Klasse lauten die Regeln wie folgt:
1.      Wir verhalten uns leise.
2.      Wir melden uns, wenn wir etwas sagen wollen.
3.      Wir sitzen ordentlich am Platz und drehen uns nicht nach hinten um.
Zu Beginn eines Spielzeitraumes werden die Schüler der Klasse in Gruppen eingeteilt, deren Zusammensetzung sie frei wählen können. Um die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu kennzeichnen, können verschiedene Bilder oder Symbole gewählt werden.
Ich habe dafür die Gruppensymbole aus der Materialwiese verwendet (http://materialwiese.blogspot.de/2015/01/gruppenarbeit-in-der-grundschule.html). Wenn die Spielphase beginnen soll – immer dann also, wenn besondere Ruhe und Aufmerksamkeit benötigt wird - sagt der Lehrer dies an. Insgesamt sollten Spielphasen nicht länger als 20 Minuten dauern. In dieser Zeit erhalten die Gruppen bei jeder Nichteinhaltung der vereinbarten Regel ein Foul, das auf einer Liste notiert wird. 
















Wichtig ist dabei, nicht zu tadeln, sondern einfach neutral auf die Fouls hinzuweisen. Es 

erfolgt keine Bestrafung. Am Ende eines gewissen Zeitraumes (einer Unterrichtsstunde, eines Tages oder maximal einer Woche) erhalten die Kinder der Gruppe mit den wenigsten Fouls eine Belohnung. Das kann z. B. eine Spielzeit am Ende der Stunde sein oder auch eine materielle Belohnung beispielsweise in Form von Stickern oder Stempeln. Hier muss man einfach sehen, worauf die Lerngruppe anspringt. Wichtig ist dabei nur, dass die Belohnung möglichst zeitnah erfolgt. Ein Zeitraum von einer Woche ist hier das absolute Maximum, empfehlenswerter sind einige Tage. Von Zeit zu Zeit, bei mir erfolgt das am Anfang jeder Woche, werden die Gruppen neu eingeteilt, sodass immer eine andere Gruppe die Chance hat zu gewinnen. Auf diese Art und Weise vermeidet man, dass die vermeintlich „braven“ Schüler immer gewinnen, während die „schwatzhaften“ immer leer ausgehen.

Das ist auch schon der ganze Zauber des Spiels. Nach fast einem Schuljahr möchte ich nun kurz meine Erfahrungen mit dem Spiel schildern. Man darf sicherlich keine Wunder erwarten. Es wird weiterhin Kinder geben, die schwatzen oder auch einmal dazwischenrufen. In Extremfällen ist es sogar notwendig gewesen, konsequente Störenfriede für einen begrenzten Zeitraum in einer separaten Gruppe zusammenzufassen. Das klingt erst einmal harsch, war aber für diese Schüler eine große Motivation, da sie schnell wieder in die anderen Gruppen eingegliedert werden wollten, was in der Regel auch spätestens nach wenigen Tagen funktioniert hat.
Der größte Vorteil des Spiels liegt darin, dass es den Kindern plötzlich Spaß macht, sich ruhig zu verhalten. Sie sehen das Stillsein als Spiel an und reagieren prompt auf die Ansage „Wir spielen jetzt das Spiel.“ Dadurch lernen sie auch, dass alle von einer ruhigen Lernumgebung profitieren. Auch für den Lehrer hat das Spiel einen entscheidenden Vorteil: Es bedarf keines ständigen „Sei leise!“ oder „Dreh dich um!“ mehr. Ein simples „Foul für [beliebigen Schüler hier einsetzen]“ ist vollkommen ausreichend und schon wissen alle, dass gerade Stille gefordert ist. Dadurch erspart man sich viel Zeit und Nerven und schont gleichzeitig die Stimme. Es ist außerdem zu beobachten, dass die Schüler auch wenn das Spiel nicht gespielt wird, deutlich ruhiger sind.
Wie auch bei anderen Maßnahmen ist es wichtig, konsequent auf die Einhaltung der Regeln zu achten und die regelmäßigen Belohnungen auch wirklich beizubehalten. Außerdem brauchen die Schüler sporadisch immer wieder eine Erinnerung an die Spielregeln. Wichtig ist auch, die Spielzeit von jeweils etwa 20 Minuten pro Unterrichtsstunde nicht zu überschreiten, da es sonst sehr anstrengend für die Schüler wird und ihnen das Spiel so keine Freude mehr bereitet.
Insgesamt hat sich der Einsatz des Spiels im Unterricht für mich, sowohl in einer ersten, wie auch in einer dritten Klasse, gelohnt. Gerade am Anfang ist es zum Teil sehr verblüffend, wie konzentriert und leise auf einmal sogar die unruhigsten Schüler arbeiten können oder wie die Schüler in unruhigeren Arbeitsphasen das Spiel sogar einfordern. Sicherlich ist das Spiel nicht für jeden Lehrer und jede Klasse gleich gut geeignet. Ein Versuch lohnt sich jedoch in jedem Fall.

Sabrina H.

Liebe Frau H.!
Ich danke Ihnen auf diesem Wege, dass Sie diese Idee bereit waren, so ausführlich zu beschreiben und hier auf dem Arnienotizblog zur Verfügung stellten. Der persönliche Dank erfolgt demnächst.
Ihre S. Arnold

Kommentare:

  1. Jessika R.25.05.16, 19:03

    Hallo Arnie,

    ich habe über das vorgestellte Klasse-Kinder-Spiel auch im Internet gelesen und neugierigerweise in meiner Klasse 2 (in abgespeckter Form) ausprobiert. Ich stimme Sabrina H. auf jeden Fall zu und finde es toll, dass sie hier die Idee einmal vorstellt. Im nächsten Schuljahr bekomme ich meine erste eigene Klasse (3) und werde mir diese Methode auf jeden Fall merken. Man muss es einfach ausprobieren.
    Ich denke, dass die Methode nicht für jede Lerngruppe geeignet ist, da man acht geben muss, dass es kein Wettstreit gibt. Mir ist aufgefallen, dass sich die Kinder dann gegenseitig "ermahnen", selbst wenn der Lehrer es nicht macht. Wichtig ist auch, sich eine gute Idee für eine "Belohnung" beziehungsweise "Bestärkung" einfallen zu lassen.
    Dennoch ermöglicht die Methode Abwechslung und laut meiner Erfahrung macht es nicht nur Schülern Spaß, sondern auch dem Lehrer. Allein die Reaktion und Blicke der Kinder, wenn man in dieser Spielphase nur andeutet, in die Richtung der "Spielerliste" zu gehen - Aufmerksamkeit wieder da :-D.

    Liebe Grüße,
    Jessika R.

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    1. Ganz lieben Dank für die ausführlichen Ergänzungen, liebe Jessika! Gut, dass ich so tolle LAA's habe!
      Beste Grüße von einer stolzen Arnie

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  2. Vielen Dank!
    Toller und sehr hilfreicher Beitrag!
    Ich werde alsbald ausprobieren :)
    LG, Anne

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  3. Die Idee klingt soo gut und sooo einfach, ich werde sie auch einmal ausprobieren! Danke!

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  4. Liebe Sylvia, liebe Sabrina,
    danke an auch beide fürs Vorstellen dieser Idee, die ich total ansprechend finde. Ich denke, das werde ich im nächsten Schuljahr testen.
    Liebe Grüße,
    Daniela

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  5. Vielen Dank - klingt gut umsetzbar! Motiviert zum Umsetzen!
    Liebe Grüße
    Kerstin

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  6. Vielen Dank für die Spiel-Idee! Ich habe das heute in meiner 3.Klasse ausprobiert. Es gibt Monster Urkunden (Zaubereinmaleins)"Wer flüstert, der siegt" als Belohnung.
    LG
    Renate

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  7. Vielen Dank für das Teilen und Aufmerksammachen!

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  8. Danke für diesen Beitrag. Ich werde die Idee im nächsten Schuljahr ausprobieren.

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  9. Vielen Dank für die Vorstellung. Ich übernehme im neuen Schuljahr meine erste eigene Klasse (2) und versuche mich jetzt, da die Prüfungen fast vorbei sind, ein wenig zu ordnen :)Ich werde das Spiel sicherlich ausprobieren. LG isabel

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