22. Mai 2017

Von Schul// Unterrichtseinblicken und Lernzielorientierung

Schon etwas länger auf Instagram angekündigt, möchte ich heute einmal Kurzeinblicke zum genannten Thema geben. Achtung, es folgt ein recht langer Post, ohne Material. Wer also nicht weiterlesen möchte, sollte hier innehalten! Aus Datenschutzgründen nenne ich keinen Schulnamen und auch keine sonstigen Namen. (Insider werden einiges wiedererkennen)
Vor vielen Jahren war ich zu einer Fortbildung (das Thema weiß ich gar nicht mehr....irgendwas zur Erwachsenenqualifizierung) bei einem Schweizer Dozenten. Dieser meinte, dass man bei einem Schulbesuch sehr schnell erkennt, ob es sich um eine warme oder kalte Schule handelt. Wir Teilnehmer stutzten damals und fragten, was er meine. Ganz einfach- er meinte das Miteinander, die Atmosphäre, das Klima und den damit einhergehenden Eindruck von der Schule. Dies kann ich aus meiner langjährigen Erfahrung als Fachberaterin und aus der jetzigen Tätigkeit heraus nur bestätigen. Ich sehe viele wunderbar ausgestattete und geschmückte Grundschulen, aber erst, wenn ich mit den Menschen, die dort arbeiten, zu tun habe, mache ich mir ein Bild. Da ist manchmal ein netter Hausmeister, der mir helfen will oder auch eine freundliche Schulsekretärin, die mich willkommen heißt. Bitte nicht missverstehen....ich möchte keine Sonderbehandlung, denn mir ist durchaus bewusst, dass jemand, der von außen kommt, ja irgendwie in den Schulalltag eindringt. Und dass dieser oft sehr schnell, laut und stressig sein kann, weiß ich aus meiner Erfahrung. Trotzdem ist vielen gar nicht bewusst, wie viel ein erster Eindruck zählt. So kam ich kürzlich sehr zeitig in einer Schule an und wartete in einem Raum neben dem Musikzimmer, in welchem gerade Unterricht war. Anfangs war ich gar nicht so happy, weil ich den Unterrichtsentwurf meiner Kollegin noch einmal in Ruhe lesen wollte. Aber der wunderbar engagierte und motivierende Musiklehrer fesselte mich nach einer Weile.....ich kam ja nicht umhin zu lauschen. Er probte mit Engelsgeduld immer wieder einige Liedausschnitte, brachte die Kinder in Stimmung mit einem Mitmachlied und als er das Lied "Nun will der Lenz uns grüßen" anstimmte, da hatte er mich. Ich trällerte nebenan mit und dachte an meine eigene Kinderzeit, in der wir dieses Lied oft sangen. Phänomenal war für mich der Gesang der Kinder....die Töne stimmten und selbst in den höheren Tonlagen klangen die Stimmen harmonisch. Hut ab! Ich will damit sagen, dass genau diese Momente zählen und man weiß, man ist in einer engagierten, kindzugewandten Schule angekommen. Ich mache das nicht allein an diesem Erlebnis fest. Ich besuchte auch den Sachunterricht an dieser Schule und konnte spüren, wie freundlich der Umgang war und vor allem wie wertschätzend. Natürlich macht in meinen Augen enorm viel guter Unterricht aus. Manchmal habe ich in der heutigen Zeit den Eindruck, dass wir unsere Schulkinder immer mehr mit Events zuballern und der Unterricht zu kurz kommt. Eine gute Schule zeichnet sich besonders durch guten Unterricht aus. Das ist meine Meinung. Diesen konnte ich erleben und möchte euch Ideen daraus vorstellenn. Am Tafelbild erkennt ihr sicher, dass es um das Thema Schmetterling (innerhalb des Themas Wiese) ging. In den nächsten Tagen ziehen in diese Klasse Distelfalter ein und die Stunde sollte darauf einstimmen, neugierig machen, aber auch schon Wissen vermitteln. So wurde mit Spannung ein Brief vorgelesen, in welchem  die Ankunft der Distelfalter angekündigt wurde und daraus hervorgehend wurden Forscheraufgaben aufgegeben . Den Brief hatte die Kollegin selbst verfasst.....im Namen der Firma, die die Falterutensilien versendet. Jedes Kind erhielt nun je einen eigenen Auftrag zum Forschen....liebevoll gestaltet von der Lehrerin.
Die Abschnitte der Stunde wurden mithilfe dieser Pusteblume visualisiert. Ganz klar wurden aber die Ziele der Stunde über eine Lernzielorientierung von der Kollegin benannt. Diese könnt ihr oben bei Ziel lesen. Oftmals erlebe ich, dass zwar Dinge, die in der Stunde eine Rolle spielen, visualisiert werden, aber häufig sind es eigentlich die Sozialformen. Ohne jetzt fachdidaktisch wertvolle Literatur zu zitieren, vermittle ich immer wieder, dass Kinder ganz klar wissen sollten- Was lernen/tun wir? Wie, wann, wo geschieht das....auch warum machen wir das. Natürlich können nicht immer alle Komponenten angesprochen werden. Auch Teilzielorientierungen sollten immer wieder eingesetzt werden. Sie können als Unterrichtsphasentrenner dienen. Natürlich hängt alles auch von der Art der Stunde ab. Es ist ein großer Unterschied, ob ich sehr offen arbeite, hin zum Unterricht, in dem ein Wechsel zwischen offenen Unterrichtsformen und frontalen Phasen stattfindet. Der Schmetterling, den man oben in der Pusteblume sieht, wurde jeweils an den entsprechenden Unterrichtsabschnitt geheftet.
 
Ihr seht ja, dass die Kinder eine Forscherzeit hatten. In dieser lösten sie ihre differenzierten Forscheraufträge, die man hoffentlich einigermaßen im  Tafelbild erkennt. Mir geht es nicht darum, den Inhalt der Aufgaben zu zeigen, sondern wie die Gestaltung war. Es ging u.a. um die Entwicklungsstadien und dazu waren neben den farbigen Applikationen Sachtexte zu erlesen, welche unterschiedlich gefärbt waren. Das jeweilige Kind wusste durch seinen Auftrag, welchen Text es lesen sollte, um die Forscheraufgabe zu lösen. Die Idee des Rettungsrings finde ich gut. Unter diesen heften die Kinder ihren Namen, die Hilfe benötigen. So konnte die Lehrerin recht schnell reagieren.
 Zur Ergebnissicherung kamen alle wieder in den Sitzkreis und nun wurden die Forscheraufgaben bzw. Fragen geklärt und die Frage- Was haben Nudeln und Erbsen mit Schmetterlingen zu tun?- erörtert.
 Oben seht ihr den Puzzleschmetterling, der zur Ergebnissicherung genutzt wurde. Frage für Frage wurde geklärt und der Schmetterling entstand. Auf die Pappteller wurden Bilder geordnet zur Nahrung.
Hier seht ihr die differenzierten Texte zur Nahrung.
Na? Habt ihr evtl. eine Ahnung, was Erbsen und Nudeln mit Schmetterlingen zu tun haben könnten?
Wer sich auf Pinterest bewegt, wird es wissen. Man kann damit die Entwicklungsstadien veranschaulichen. Erbse=Ei....usw. Ich habe die Nudeln extra mal fotografiert, damit ihr seht, welche man verwenden kann. Eine prima Idee, auf deren Lösung die Kinder selbst kamen.
Als ich die Schule verlassen wollte, begleitete mich meine Kollegin zur Tür und wir trafen eine ihrer Kolleginnen, welche sofort des Lobes über den Fleiß der jungen Frau voll war. Sie hatte im Klassenzimmer die Schmetterlingsutensilien gesehen und war fasziniert. Auch das hinterließ bei mir ein warmes Gefühl, denn wann werden wir denn gelobt....und dann auch noch so wunderbar? Ich bin sehr froh über solche Eindrücke und solche warmen Schulen, um bei dem Bild des Schweizers zu bleiben .
Warm wurde mir auch ums Herz, als ich daheim angekommen diese Waldentdeckerkarten von der Wunderwerkstatt bekam. Ich hatte mich bei Instagram an einem Gewinnspiel beteiligt und diese gewonnen. Ich habe noch nie etwas gewonnen- umso größer war die Freude. Schlunzt mal auf dem Blog herum, es gibt viele pfiffige Ideen und wer aktuell etwas zum Himmelsraum sucht, wird fündig.
Zum Schluss noch der Hinweis, dass zwar auf allen Fotos der Verweis zum Arnienotizblog steht, aber nur, um die Fotos zu kennzeichnen. Der Inhalt und die gezeigten Ideen sind nicht von mir. Danke an alle Personen, die mir erlaubt haben, die Sachen zu zeigen!

Kommentare:

  1. Liebe Sylvia,
    vielen Dank für den inspirierenden Einblick in eine tolle Unterrichtseinheit. Und auch Deine Gedanken zu warmen und kalten Schulen kann ich sehr gut nachvollziehen und bestätigen.
    Liebe Grüße nach Sachsen
    Jörg

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  2. Liebe Sylvia,
    vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Das was du sagst kann ich nur unterstützen. Danke fürs Zeigen und auch die Erlaubnis zum reinschnuppern. Tolle Idee und eine tolle Umsetzung.
    Liebe Grüße
    Marion

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  3. Vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag, fürs Veröffentlichen der Bilder und die Inspiration!
    LG

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  4. Ganz arg toll :-)
    Danke,dass du deine Gedanken mit uns teilst! Ich entdecke Vieles, was mich gerade im Bezug auf meine LAA auch beschäftigt. Danke für den Beitrag mit tollen Anregungen!
    Grüße Tanja

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  5. Guten Abend,

    statt solcher Stunden zur Kenntnis zu nehmen, die es vermutlich und zum Glück oft genug gibt, stellt sich mir vielmehr die Frage, WIE diese Stunden zustande kommen? Wie werden die Kinder eingebunden? Werden die FRAGEN(!!) der Kinder zum Unterrichtsgegenstand gemacht? Werden Kinder überhaupt gefragt, haben ihre Fragen Raum im Unterricht bzw. sind sie sein Ausgangspunkt (Stichwort Schülerorientierung)?

    Mit freundlichen Grüßen

    Manfred Derf

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    1. Guten Abend, Herr Derf,
      ich nehme keine Stunden zur Kenntnis. Ich darf beobachten.... das ist mein derzeitiger Beruf. Natürlich lebt guter Unterricht von Fragen der Kinder. Meine Beobachtung ist jedoch eine Momentaufnahme gewesen und sollte einen Einblick für andere geben. Wenn Sie dieses Thema so interessiert, können Sie gern einen Post dazu verfassen, den ich gern zur Diskussion freigebe. Sicher wäre das sehr leserorientiert.
      Freundlichst
      Arnie

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